Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Firma Siemens

Am 13. Dezember 1816 wurde Werner von Siemens auf dem Obergut Lenthe bei Hannover geboren. Werner war das zweite Kind und ältester Sohn des Gutpächters Christian Ferdinand Siemens und dessen Ehefrau Eleonore. Aus der Ehe gingen insgesamt 14 Kinder hervor, von denen zwei Mädchen und acht Jungen das Erwachsenenalter erreichten. Die ersten acht Jahre seines Lebens verbrachte Werner Siemens auf dem Obergut Lenthe, bevor die Familie nach Menzendorf in Mecklenburg übersiedelte.

Als im Jahre 1816 Werner Siemens geboren wurde, fuhr das erste Dampfschiff den Rhein hinauf nach Köln, bestaunt von der ganzen Bevölkerung. Das industrielle Zeitalter, das damit auch in Deutschland seinen Einzug hielt, sollte in Werner Siemens einen seiner bedeutendsten Wegbereiter erhalten.
Zusammen mit J.G. Halske gründete er am Vorabend der Revolution von 1848 die „Telegaphenbauanstalt Siemens & Halske", aus der das heutige Haus Siemens hervorging. Der Bau der ersten großen europäischen elektrischen Telegraphenlinie von Berlin zu dem in Frankfurt am Main tagenden Deutschen Bundestag machte ihren Namen sofort in ganz Europa bekannt. Die Akademie der Wissenschaften in Paris wählte Werner Siemens zu ihrem Mitglied, die Weltausstellung in London 1851 brachte die erste internationale Auszeichnung.
Im Jahre 1853 gab der Zar den Auftrag zum Bau der wichtigsten russischen Telegraphenlinien, 1870 erreichte der Landtelegraphenbau mit der Vollendung der „Indolinie" zwischen London und Kalkutta einen triumphalen Höhepunkt. Noch heute zeugen eiserne Telegraphenmasten in den Hochebenen Persiens von der dauerhaften Arbeit und dem Organisationstalent der Brüder Siemens, die in den Hauptstädten der damaligen Welt, in London, Paris, Berlin und St. Petersburg, in gleicher Weise zu Hause waren.
Die gleichzeitige Verlegung von Seekabeln im Mittelmeer, im Roten Meer und im Indischen Ozean führte Werner Siemens nach Nordafrika, nach Ägypten und Arabien, die Verlegung der großen Atlantikkabel an die Küsten Irlands, die Errichtung eines europäischen Industriebetriebes im Kaukasus an die Ufer des Kaspischen Meeres.
Aber Werner Siemens war nicht nur ein Unternehmer großen Stils, sondern ebensosehr Wissenschaftler und Erfinder, unermüdlich dabei, zu verbessern und Neues zu entdecken, oft höchst nützliche Dinge des praktischen Gebrauches, wie das elektrolytische Verfahren zur Versilberung und Vergoldung. Ihm gelangen der Bau eines zuverlässigen Zeigertelegraphen, die nahtlose Ummantelung von Kupferleitungen mit Guttapercha und viele weiteren Verbesserungen auf dem Gebiet der Elektrizität, die eine genaue Kenntnis der kompliziertesten physikalischen und mathematischen Theorien voraussetzten.
So entdeckte Werner Siemens im Jahre 1866 das sogenannte dynamo-elektrische Prinzip, das das Zeitalter der Elektrotechnik einleitete. Diese Entdeckung hat unsere Welt gründlich verändert, und Werner Siemens war es noch vergönnt, am Siegeszug des elektrischen Lichtes tätig mitzuwirken; die ersten elektromotorischen Antriebe in Werkstätten, die erste Straßenbahn, den ersten elektrischen Aufzug zu bauen.

Werners Kampf mit dem Gänserich
„Ich muß etwa fünf Jahre alt gewesen sein und spielte eines Tages im Zimmer meines Vaters, als meine drei Jahre ältere Schwester Mathilde laut weinend von der Mutter ins Zimmer geführt wurde. Sie sollte ins Pfarrhaus zu ihrer Strickstunde gehen, klagte aber, daß ein gefährlicher Gänserich ihr immer den Eintritt in den Pfarrhof wehre und sie schon wiederholt gebissen habe. Sie weigerte sich daher entschieden, trotz alles Zuredens der Mutter, ohne Begleitung in ihre Unterrichtsstunde zu gehen.
Auch meinem Vater gelang es nicht, ihren Sinn zu ändern; da gab er mir seinen Stock, der ansehnlich größer war als ich selbst, und sagte: „Dann soll Dich Werner hinbringen, der hoffentlich mehr Courage hat wie Du." Mir hat das wohl zuerst etwas bedenklich geschienen, denn mein Vater gab mir die Lehre mit auf den Weg: "Wenn der Ganter kommt, so geh ihm nur mutig entgegen und haue ihn tüchtig mit dem Stock, dann wird er schon fortlaufen!"
Und so geschah es. Als wir das Hoftor öffneten, kam uns richtig der Gänserich mit hochaufgerichtetem Halse und schrecklichem Zischen entgegen. Meine Schwester kehrte schreiend um, und ich hatte die größte Lust, ihr zu folgen, doch ich traute dem väterlichen Rate und ging dem Ungeheuer, zwar mit geschlossenen Augen, aber tapfer mit dem Stocke um mich schlagend, entgegen. Und siehe, jetzt bekam der Gänserich Furcht und zog sich laut schnatternd in den Haufen der auch davonlaufenden Gänse zurück."
„... unzählige Male hat mich in späteren schwierigen Lebenslagen der Sieg über den Gänserich unbewußt dazu angespornt, drohenden Gefahren nicht auszuweichen, sondern sie durch mutiges Entgegentreten zu bekämpfen."
aus: Werner von Siemens, „Lebenserinnerungen"
© 2006 - 2010 Gehrden | letzte Änderung 10.11.2008