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SPD

Nachzulesen im Lenther Kirchenvorstandsprotokoll vom 19. September 1890 ist, daß die Anfänge der SPD in Lenthe in das vorige Jahrhundert zurückgehen. Die Beratungen des damaligen Kirchenvorstandes befaßten sich mit der sog. sozialen Frage, worüber folgende Niederschrift vorhanden ist:

Es wurde constatirt, daß in der Gemeinde Lenthe nur zwei ausgesprochene Anhänger der sozialdemocratischen Bewegung sich finden. Besondere neue Veranstaltungen, dieser Bewegung nicht entgegenzutreten, wurden nicht für nötig befunden, vielmehr die vom Pastor geübte Amtsthätigkeit und die vom Kirchenvorstand geübte Liebesthätigkeit wahrlich für ausreichend erachtet, um einem weiteren Umsichgreifen der Beweg(ung) auch in der Gemeinde, soweit dasselbe durch Predigt- und Gemeinde-Amt überhaupt gehindert werden kann, vorzubeugen.

Der Hintergrund war das im Jahre 1878 verfaßte Sondergesetz gegen die Sozialisten, womit deren Vereine, Versammlungen und Druckschriften verboten wurden sowie sozialdemokratische Führer außer Landes verwiesen werden konnten. In diese Zeit fiel ein Anstellungsvertrag der politischen Gemeinde Lenthe mit einem neuen Gemeindediener, dem die Mitgliedschaft in der SPD ausdrücklich untersagt wurde.

Als Gründungstag der SPD Lenthe gilt der 01. Oktober 1910. Schriftliche Bestätigungen und Protokolle existieren leider nicht. Weder im Gemeinde- noch im Parteiarchiv.

Ausschlaggebend für die Parteiengründung waren wohl die Aktivitäten der Arbeiterschaft in den Fabriken. Zu der Zeit waren die immerhin 50 Mitglieder in der Mehrzahl in der Saline, bei der Hanomag, dem Contivorläufer Excelsior und auf den beiden Lenther Gütern beschäftigt. Im Vorstand, dessen 1. Vorsitzender Heinrich Böcker war, sorgten Heinrich Schlicht und Karl Riechers für die Verbreitung der Arbeiterzeitschrift „Volksstimme“.

Es gab eine große Leserschaft bis zum Jahre 1933, als auf Grund des Ermächtigungsgesetzes alle politischen Parteien verboten wurden. Erst im Herbst 1945 wurde nach Jahren ruhender Partei-Mitgliedschaft die SPD Lenthe in der Wohnstube von Karl Riechers (1. Vorsitzender) wiedergegründet. Im Sommer 1945 wurde Fritz Schlette von der britischen Militärregierung als 1. (SPD) Nachkriegsbürgermeister Lenthes eingesetzt.

In den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahren haben sich Männer wie Karl Kraatz, Friedrich Grimme, Willi Clausing, Hermann Biesterfeld, Friedrich Halberstadt, Karl Riechers, Fritz Schlette, Herbert Steinwedel, Karl Weschen, Fritz Weschen und Heinrich Schlicht für die sozialdemokratischen Grundsätze engagiert.

Vorsitzende der SPD waren ab 1945: Karl Riechers, Willi Clausing, Albert Schlette, Georg Prunn.

Ab 1963 war Herbert Clausing OV-Vorsitzender, ab 1983 Siegfried Gelszinnus und ab 1987 Rainer Brandes. Detlef Kersten übernahm dieses Amt 1999 bis 2006. Ab 2006 wurde Holger Struß Vorsitzender.

Die SPD stellt seit 1956 ununterbrochen den Lenther Bürgermeister.

  • 1956 bis 1971 (15 Jahre) Herbert Clausing
  • 1971 bis 2006 (35 Jahre) Waldemar Brandes
  • 2006 übernahm Holger Struß dieses Amt

Bis 1974 war die SPD ein eigenständiger Ortsverein und nach dem Zusammenschluß mit Gehrden eine Abteilung des Ortsvereins Gehrden. Seit 1988 gibt es allerdings wieder einen Ortsverein Lenthe (derzeit, 33 Mitglieder, davon 11 Frauen).

Für die Lenther Bürger setzt sich die SPD seit über 35 Jahren mit einem, meistens sogar zwei Mitgliedern im Stadtrat, bzw. Stadtverband ein und 22 Jahre lang war Herbert Clausing Kreistagsmitglied. Darüber hinaus stärken öffentliche Veranstaltungen und Aktivitäten das dörfliche Miteinander.
HEW( mit kleinen Korrekturen)

 

Widerstand im Abseits

- Hannover 1933 bis 1945 -

Nause, Franz, * 15.02.1903, Achtum, + 20.03.1943 Brandenburg;
sozialdemokratischer Widerstandskämpfer. Besuch der Volksschule in Lenthe und Linden. Schlosserlehre. 1921 bis 1932 Arbeiter bei der Gummifabrik "Excelsior", seit Sommer 1932 arbeitslos. 1919 in die SAJ und den Fabrikarbeiterverband, 1921 in die SPD eingetreten. Reichsbanner-Mitglied ab 1931. Hauptwirkungsgebiet Limmer, dort vor 1933 Bezirkskassierer der SPD. Beim Aufbau der Widerstandsorganisation "Sozialistische Front" (SF) engster Mitarbeiter W. Blumenbergs. Mitte Juni 1933 erstmals verhaftet, nach einigen Tagen wieder frei gelassen. Erneute Verhaftung am 30.06.1936, vom Volksgerichtshof am 23.09.1937 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, im Zuchthaus Brandenburg-Göhrden an den Folgen einer Lungen- und Kehlkopftuberkulose verstorben.
Urnenehrengrab auf Stadtfriedhof Ricklingen.
Eine um 1900 als "Gartenweg" angelegte Straße 1950 nach Nause umbenannt.

Aus: Böttcher, Mlynek, Röhrbein, Thielen
Hannoversches Biographisches Lexikon (2002)

Sein Vater, Friedrich Nause, war vom Juli 1913 bis Januar 1915, Mitglied in der Gemeindeversammlung Lenthe (WB)

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